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Lupriflex Sicherheitsschuhe auf der Baustelle - Aqua Light

Das Update der EN ISO 20345

Die neue Europäische Norm für Sicherheitsschuhe EN ISO 20345:2022
Die Änderungen und neuen Kennzeichen

Die europäische Norm EN ISO 20345 bestimmt die Grundanforderungen und die – freiwilligen - Zusatzanforderungen an Sicherheitsschuhe. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, die an die Form, die Zehenschutzkappen, den Aufbau, die Materialien, die Dichtheit, die Rutschhemmung und die Ergonomie sowie die Sohlen gestellt werden.

Die letzte Fassung der Norm für  Sicherheitsschuhe EN ISO 20345 stammte aus dem Jahr 2011. Mittlerweile gibt es neue Schutzmaterialien und neue, bessere Prüfverfahren. Also war es höchste Zeit für ein Update. Die neue Norm EN ISO 20345:2022 ist am 30. März 2023 in Kraft getreten.

Wir wollen einen Überblick geben, was sich geändert hat und welche neuen Kennzeichen es gibt. Das sind die wichtigsten Änderungen:

  • Durchtrittschutz und Rutschhemmung: Neue Prüfungen und neue Kennzeichen
  • Kraftstoffbeständigkeit: Jetzt freiwillige Zusatzanforderung
  • Wasserdichtheit und Wasseraufnahme: Neue Kennzeichnung, neue Schutzklassen
  • Neue optionale Anforderungen: Abriebfestigkeit von Überkappen und Halt auf Leitern.
1. Widerstand gegen Durchstich

So lautet nun die offizielle Bezeichnung, wenn es um den Schutz vor Verletzungen durch das Treten auf Nägel oder andere spitze Gegenstände geht. Bisher stand das Kennzeichen P generell für einen Durchtrittschutz, sagte aber nichts über sein Material aus. Jetzt ist sofort erkennbar, welche durchtritthemmende Einlage die Sicherheitsschuhe haben.

Die Kennzeichnung P gilt weiterhin für einen Nageldurchtrittschutz, und zwar nur aus Stahl. Für metallfreien Nageldurchtrittschutz wurden die zwei neuen Bezeichnungen S und L eingeführt.

Das Kennzeichen richtet sich nach dem Durchmesser des verwendeten Testnagels:
S = Testnageldurchmesser 3,0 mm (Small)
L = Testnageldurchmesser 4,5 mm (Large).

Neuer zweiter Test für textile Materialien
Das Prüfverfahren für durchtritthemmende Einlagen aus Textilmaterial hat sich geändert. Es gibt nachwievor die Durchtrittprüfung mit dem Prüfnagel von 4,5 mm Durchmesser. Er wird mit einer definierten Kraft für zehn Sekunden gegen die Sohle gedrückt. Neu ist ein zweiter Test mit einem dünneren Prüfnagel von 3 mm. Er wird mit ansteigendem Druck gegen die Sohle gedrückt. Die notwendige Kraft wird gemessen, bis der Nagel die Sohle durchstoßen hat.

 Kennzeichen Prüfverfahren & Bedeutung
P • Durchtrittschutz aus Stahl
• Drucktest: mindestens 1.100 Newton
• Durchmesser des Prüfnagels: 4,5 mm
PL • nicht-metallischer Durchtrittschutz
• Drucktest: mit 1.100 Newton
• Durchmesser des Prüfnagels: 4,5 mm
PS • nicht-metallischer Durchtrittschutz
• Drucktest: Mittelwert aus 4 Tests ≥ 1.100 Newton
• Durchmesser des Prüfnagels: 3 mm

 
2. Rutschhemmung der Sohle

Bisher gaben die Stufen SRA, SRB und SRC den Grad der Rutschfestigkeit der Sohlen an. Zur Einstufung der niedrigsten Klasse SRA wurden die Sicherheitsschuhe auf einer Keramikfliese mit einer Seifenlauge getestet. SRB gab es für erfolgreiche Tests auf einem Stahlboden mit Glycerin. SRC bekamen Sicherheitsschuhe, die beide Prüfungen bestanden hatten.

Die Kennzeichnungen SRA, SRB und SRC wurden abgeschafft. In der neuen Norm ist der Rutschtest auf Keramikfliesen mit Seifenlösung nun der Basistest und eine Grundvoraussetzung ohne ein eigenes Kennzeichen. Als optionale Zusatzanforderung kann ein Rutschtest auf Keramikfliesen mit Glycerin erfolgen. Dafür gibt es den Vermerk SR (Slip Resistance).

Die Rutschtests auf Fliesen entsprechen eher der Realität. Auch der Ablauf der Prüfung hat sich geändert: Beim Vorwärtsgleiten der Ferse ist ein Reibungskoeffizient von >= 0,19 mm erlaubt, beim Rückwärtsgleiten des Vorderteils darf der Reibungskoeffizient >= 0,22 mm betragen.

3. Kraftstoffbeständigkeit (FO)

Das Kennzeichen FO bezieht sich auf die Widerstandsfähigkeit der Schuhsohle gegen Kohlenwasserstoffe (Öle, Benzin usw.). Das war bisher für Sicherheitsschuhe nach der alten Norm Pflicht.

Nach der neuen Norm ist es dagegen eine freiwillige Zusatzanforderung. Die Kraftstoffbeständigkeit werden wir weiterhin bei unseren Lupriflex Sicherheitsschuhen testen lassen.

4. Wasserdichtheit und Wasseraufnahme:
    Neue Kennzeichnung und ne
ue Schutzklassen

Bisher galt die Kennzeichnung WRU (Water Repellent Upper) für wasserabweisendes Obermaterial. Die neue Kennzeichnung lautet jetzt WPA (Water Penetration and Absorption). Wasserdichtheit wird mit dem Kürzel WR (Water Resistance) gekennzeichnet.

Wasserdichte Schuhe erkennt man jetzt an den zwei neuen Schutzklassen S6 und S7:
S6 = Der Schuh erfüllt die Anforderungen der Schutzklasse S2 und ist zusätzlich
         wasserdicht (WR).
S7 = Der Schuh erfüllt die Anforderungen der Schutzklasse S3 und ist zusätzlich
         wasserdicht (WR).

Dazu gehören also Sicherheitsschuhe, die zusätzlich wasserdicht – beispielsweise mit einer Membran - ausgestattet sind.

Ein Sicherheitsschuh mit der Kennzeichnung S2 oder S3 hatte nach der „alten“ Norm ein wasserabweisendes Obermaterial (Water Repellent Upper, WRU). Allerdings wird dabei nur das Material selbst getestet. Ist das Material in einen Schuh eingearbeitet, kann er seine wasserabweisende Funktion verlieren, weil durch die Nähte Wasser eindringen kann.

Daher verschwindet die WRU-Kennzeichnung in der neuen Norm. Stattdessen wird nun die Kennzeichnung WPA (Water Penetration and Absorption – Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme) und die bereits erwähnte Kennzeichnung WR (mit Membran) verwendet.

Neue optionale Anforderungen
Hinzugekommen sind die beiden neuen freigestellten Prüfungen:

a) Scuff Caps (Kennzeichen: SC)
    Hier geht es um Anstoßkappen aus Kunststoff, die den vorderen Schuhbereich
    abdecken.Vor allem bei der Arbeit auf den Knien sollen sie die Schutzkappe vor
    Abrieb, Verschleiß und Verlust der Schutzfunktion bewahren. Sie werden daher
    auf ihre Abriebfestigkeit geprüft: Dazu wird ein Martindale-Abriebtest mit 8.000
    Zyklen durchgeführt. Es dürfen keine Löcher über die gesamte Dicke der
    Überkappe entstehen.

b) Ladder Grip (Kennzeichen: LG) 
    Das Thema ist hier die Trittsicherheit und Rutschfestigkeit der Sohle auf Leitern.
    Dabei handelt es sich um ein quer verlaufendes, mindestens 1,5 mm hohes
    Sohlenprofil im Gelenkbereich. Man nutzt die bisherigen Prüfmethoden von
    Feuerwehrstiefeln.

Orthopädische Sicherheitsschuhe

Orthopädische Zurichtungen – dazu zählen orthopädische Einlagen oder Veränderungen wie Erhöhungen, Keile oder Versteifungen – findet man im Anhang der EN ISO 20345:2022. Die dort genannten Regeln zur orthopädischen Anpassung basieren auf der DGUV Regel 112-191 – Benutzung von Fuß- und Knieschutz - der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Die DGUV Regeln für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sollen Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren verhindern.

Die Norm EN ISO 20345:2022 teilt orthopädische Sicherheitsschuhe in diese drei Typen ein:

  • Typ 1: Sicherheitsschuhe mit orthopädischen Einlegesohlen.
    Getestet werden: Zehenschutz, Einlegesohle und die gewünschte Zusatzanforderung.
  • Typ 2: Im Bereich der Laufsohle zugerichtete Sicherheitsschuhe.
    Eine Kombination von Typ 1 und Typ 2 ist möglich.
    Notwendige Tests: Trennkraft zwischen Schuhoberteil und Sohle, Zehenschutz, Rutschhemmung, Laufsohle und je nach Zusatzanforderung.
  • Typ 3: Maßgefertigte Sicherheitsschuhe.
    Zu erfüllen sind alle Grundanforderungen und die gewünschten Zusatzanforderungen.

Weitergehende Informationen zu orthopädischen Einlagen für Sicherheitsschuhe gibt es in unserem Blogbeitrag:

https://sicherheitsschuhe.de/blogs/know-how/orthopadische-einlagen-fur-lupriflex-sicherheitsschuhe

 Die Kennzeichen und Zusatzanforderungen nach EN 20345:2022

     Die Schutzklassen nach EN ISO 20345:2022

Die Schutzklassen S4 und S5 beziehen sich auf Gummistiefel.

So geht Lupriflex mit der neuen Norm EN ISO 20345:2022 um

Neu auf den Markt kommende Lupriflex Sicherheitsschuhe werden wir nach der neuen Norm EN ISO 20345:2022 prüfen lassen.

Diese Lupriflex Modelle sind nach der neuen Norm zertifiziert:

• 4-250 Nature Aqua Mid
• 4-150 Allround Aqua Mid
• 4-750 Allround Aqua Low.

Sie tragen folgende Kennzeichen:
• S7L (d. h. S7 = wasserdicht, L = metallfreier Durchtrittschutz, mit Testnagel der
           Größe L geprüft)
• FO = Kraftstoffbeständigkeit
• SR = Rutschfestigkeit (auf Keramikfliesen mit Glycerin)
• CI = Kälteisolierung.

Ansonsten sind alle bestehenden Lupriflex Artikel nach der Norm EN ISO 20345:2011 zertifiziert. Die Zertifikate nach der alten Norm behalten bis zum Ablaufdatum ihre Gültigkeit. Daher wird es Sicherheitsschuhe auf dem Markt geben, die nach der neuen oder der alten Norm zertifiziert wurden. Unsere Konformitätserklärungen sind abrufbar unter:

https://sicherheitsschuhe.de/pages/downloadbereich.

Beim Fachhandel vorrätige, nach der EN ISO 20345:2011 zertifizierte Lupriflex Sicherheitsschuhe können Sie uneingeschränkt kaufen.

Laut unabhängiger Prüfinstitute hat sich das Sicherheitsniveau durch die Überarbeitung der Norm nicht verändert.

Bis zum 11.11.2024 können Sicherheitsschuhe noch nach beiden Normenversionen geprüft und zertifiziert werden. Nach diesem Zeitpunkt wird nur noch nach der EN ISO 20345:2022 zertifiziert.


 

 

 

 

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